"Was könnte alles schief gehen?" und "Was könnte unter Umständen alles besser laufen, als geplant?": Diese beiden Fragen bilden im Grunde die Basis der oft abstrakt wirkenden Themen Chancen- und Risikomanagement.
Zentral für den Start eines professionellen Chancen- und Risikomanagements ist zunächst einmal die Zieldefinition, sowie die Festlegung eines Vorgehens, dieses zu erreichen. In der Zieldefinition sind sowohl das zu erzielende Endprodukt/Ergebnis, wie auch die dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen (Zeit, Geld, personelle Ressourcen usw.) zu nennen.
Als nächstes wird das geplante Vorgehen im Hinblick auf die damit verbundenen Chancen und Risiken untersucht:
Risikomanagement
1. "Was könnte alles schief gehen?" aka "Identifikation von Risiken"
Es werden sämtliche Punkte gesammelt, die der Erreichung des definierten Ziels bei dem geplanten Vorgehen in den Weg kommen könnten. Hierbei sollte ein möglichst interdisziplinäres Team eingebunden werden, was optimaler Weise auch künftig das Projekt abwickelt: Nur so können verschiedenste Blickwinkel, Erfahrungen und auch (kreative) Ideen für Gegensteuerungsmassnahmen (siehe unten) zusammenkommen und ein einheitlicher Wissensstand innerhalb des Projektteams sichergestellt werden.
2. "Wie wahrscheinlich ist das?" aka "Risikobewertung"
Im zweiten Schritt wird evaluiert, wie wahrscheinlich der Eintritt dieser Risiken jeweils ist und wie schwerwiegend ihre Auswirkungen wären. Hierbei ist es wichtig, einen gewissen Pragmatismus anzustreben und sich nicht in Diskussionen über "18 oder 20%" zu verlieren. Empfehlenswert ist sogar, in der Bewertung nur in 10%-Schritten (bei einer umfangreichen Risikoliste maximal 5%-Schritten) vorzugehen.
3. "Wie kann ich das verhindern?" aka "Gegensteuerungsmassnahmen identifizieren"
Als nächstes wird mindestens für die Risiken mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit und grossen Auswirkungen gesammelt, womit deren Eintreten verhindert werden kann. Darüber hinaus wird mindestens überschlägig kalkuliert, was die Umsetzung der jeweiligen Gegensteuerungsmassnahme für monetären, terminlichen und ressourcentechnischen Aufwand bedeuten bzw. Auswirkungen erzeugen würde.
Wichtig: Nicht jede Gegensteuerungsmassnahme muss umgesetzt werden! Es kann sein, dass die Umsetzung dieser einen im Vergleich zu den Auswirkungen des Risikoeintritts unverhältnismässigen Aufwand bedeutet, ihre Umsetzung also unwirtschaftlich wäre. Insbesondere für den Fall des Risikoeintritts ist durch das dokumentierte Prüfen von Gegensteuerungsmassnahmen aber immer nachweisbar, dass man das Risiko erkannt hatte und warum man sich dazu entschieden hat, dieses einzugehen.
4. "Plan B" aka "Gegensteuerungsmassnahmen umsetzen"
Die Massnahmen, welche die Erreichung des Ziels unterstützen und angemessen hinsichtlich des (Mehr)Aufwands sind, werden umgesetzt.
4. "Weiterhin Augen auf" aka "Riskoverfolgung"
Die Umsetzung einer Gegensteuerungsmassnahme(n) führt zu einer neuen Ausgangssituation. Welche der identifizierten Risiken fallen dadurch weg? Welche sind neu zu bewerten? Welche kommen neu dazu? Bis zum Projektabschluss wird die Risikoliste im Rahmen von Risikoklausuren im Team in regelmässigen Abständen weiter aktualisiert und die Risken verfolgt.
Chancenmanagement
In Projekten ist ein Etablieren vom Chancenmanagement neben dem bekannteren Risikomanagement aus vielerlei Hinsicht sinnvoll. Einige davon sind:
_ (Früh)Erkennung: Nur wer nach Chancen sucht hat die Möglichkeit, welche zu entdecken.
_ Förderung von positiven Umständen: regelmässiges und strukturiertes Chancenmanagement ermöglicht es, proaktiv Massnahmen zur Förderung von positiven Ereignissen zu ergreifen und damit die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens zu erhöhen.
_ Steigerung der Erfolgswahrscheinlichkeit: Indem Chancen aktiv verfolgt und genutzt werden steigt die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Projektabschlusses.
_ Stärkung des Teamzusammenhalts: Das gemeinsame Arbeiten "für eine Chancenrealisation" - anstelle von "gegen einen Risikoeintritt"- kann die Teammotivation und den -zusammenhalt stärken.
Das Vorgehen ist ähnlich dem Risikomanagement:
1. Chancen identifizieren
2. Chancenbewertung (Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen analysieren)
3. Massnahmen zum Chanceneintritt identifizieren (Womit kann gefördert werden, dass die Chance eintritt? Was hat diese Förderungsmassnahme für einen Aufwand?)
4. Chancen realisieren (Massnahmen umsetzen, die hinsichtlich ihres (Mehr)Aufwands verglichen mit dem Mehrwert der Realisierung der Chance angemessen sind)
5. Chancen nachhalten (regelmässige Aktualisierung der Chancenliste)
Fazit
Jedes Vorhaben birgt Chancen und Risiken, welche es zu identifizieren, zu bewerten und zu managen gilt. Ein professionelles und kontinuierliches Chancen- und Risikomanagement hilft, den Umfang von "Unerwartetem" zu minimieren und von "Erhofftem" zu maximieren.
Wann ein Umstand noch als Risiko mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit einzustufen ist und wann doch besser davon auszugehen wäre, dass es so kommt und das Nicht-Eintreten als Chance zu definieren ist, kann nicht pauschal beantwortet werden und ist im Einzelfall (unter Berücksichtigung der Auswirkungen der jeweiligen Entscheidung) zu entscheiden..
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